Sonntag, 4. Dezember 2016

#Gedankenpalast: Zahnarztphobie heilen - ist das möglich?

Heute möchte ich euch ein bisschen von meiner Zahnarztphobie erzählen (wie sie entstanden ist, wie es mir damit erging, ob ich sie heilen konnte,..) und gleichzeitig auch von meinem neusten Zahnproblem berichten. Viel Spaß beim Lesen!


Als ich vier Jahre alt war, hatte ich Probleme mit einem Backenzahn. Man hat mich zum Zahnarzt geschickt, es musste gebohrt werden. Ich war mit meiner Tante (zu der ich keinerlei positive emotionale Bindung hatte - also auch kein Vertrauen) dort, weil es nicht anders ging. Sie ist nur sehr widerwillig mit mir dahingegangen (ja, sowas spürt man mit nur vier Jahren auch schon) und ich musste sie mehrmals darum bitten, meine Hand zu halten.


Das war schon mal die Basis für die Zahnarztphobie, die sich dann entwickelt hat. Eine Vierjährige geht mit einer Person, die sich null für sie interessiert zu einer fremden Person, die etwas an den Zähnen machen soll. Super!

Die Zahnärztin hat nicht erklärt, was sie da tut oder wozu das gut ist. Ich sollte mich auf den Stuhl setzen, den Mund aufmachen und still sein. Sie hat rumgebohrt, es hat höllisch wehgetan. Seit dem hatte ich sofort Panik, wenn ich auch nur das Wort "Zahnarzt" gehört habe.

Irgendwie habe ich es geschafft, dass ich bis ich ca. 10 war nicht zum Zahnarzt musste (war nur zwischendurch mal beim Kieferorthopäden, aber der hat mir ja nie Schmerzen zugefügt). Doch ich hatte Zahnschmerzen (an dem Zahn, durch den die Zahnarztphobie überhaupt entstanden ist) und bin hin. Diesmal war es ein anderer Zahnarzt, da ich zwischenzeitlich meinen Wohnort (beziehungsweise das Land) gewechselt habe. Es war keine Frau sondern ein Mann und er hat zwar so getan, als ob er mir nicht wehtun würde, aber ich habe auf dem Behandlungsstuhl geheult und nachdem alles vorbei war bin ich nie wieder dahingegangen. 

Über zehn Jahre sind vergangen, es gab zwischenzeitlich mal wieder Besuche beim Kieferorthopäden aber keinen Zahnarzt. Doch nach so langer Zeit habe ich beschlossen, dass ich mal wieder hin muss. Auch wenn mir nichts wehtut - ich habe mich einfach mal getraut. Mitgenommen habe ich niemanden, schließlich hat mir das als Kind auch schon nichts gebracht. Man ist alleine in dieser grausamen Welt, das kann man nicht früh genug lernen. 

Es war alles anders. Ich wurde ernst genommen, man hat sich angehört, was ich zu sagen hatte und meine Fragen beantwortet. Es war toll. Woran lag es? Daran, dass ich nun "erwachsen" bin und man mich deshalb ernst nimmt - nicht so wie damals, als ich noch ein dummes Kind war. Ich bin froh, dass die meisten Zahnärzte heutzutage jedoch auch mit Kindern respektvoll umgehen und ihnen alles gut erklären. Vielleicht hatte ich auch nur Pech, ich war immerhin erst bei zwei Zahnärzten und beide haben Mist gebaut, aber der Mist war so groß, dass ich einfach zu viel Angst vor einem weiteren Versuch hatte. Und, hey, ich habe Zahnärzte in zwei verschiedenen Ländern ausprobiert und beide waren schlecht. Das hat mir als Beweis gereicht: Zahnärzte wollten mir nur wehtun!

Dummerweise hat der neue, bessere Zahnarzt auch wieder Mist angestellt. Nach über 10 Jahren Zahnarzt-Abstinenz hatte ich erstaunlicherweise an nur einem einzigen Zahn ein kleines bisschen Karies. Aber zu viel Glück gönnt mir das Universum nicht, deshalb war es gleich ein Schneidezahn. :/ Der Arzt hat alles beseitigt und eine Füllung rein gemacht. Da ich weiterhin so viel Glück im Leben hatte, war die Füllung direkt am Nerv. Dieser hat sich entzündet und der Zahn wurde kälteempfindlich. Und kurz darauf wärmeempfindlich. Und irgendwann konnte ich nicht mal lauwarmes Wasser trinken, weil es höllisch wehgetan hat. Mein Zahnarzt hat mir Desensibilisierungslacke draufgeschmiert - entschuldigung, draufschmieren lassen -  die mit einer UV-Lampe ausgehärtet wurden. Die Lacke haben nicht geholfen und der Prozess war für mich mit Höllenqualen verbunden. Ich war schon fast wieder so weit wie vor zehn Jahren. 

Aber diesmal gab es keine Eltern oder andere Personen, die über mir stehen. Es gab nur mich. Also habe ich mich von diesem Zahnarzt verabschiedet, denn er hat nicht auf mich gehört und wollte mit seiner Quälerei weitermachen, denn "man muss den Lack öfter auftragen, damit er richtig wirkt!". Mein Zahn ist kein Nagel, auf den man Lack aufträgt und den man dann unter die UV-Lampe hält!

Ein guter Freund hat mir seine Zahnärztin empfohlen. Ich bin hin. Ich wurde unglaublich freundlich behandelt, man hat mir zugehört und ganz normal mit mir geredet. Auf einer Ebene. Nicht auf Arzt - Patient oder Älter - Jünger Ebene, sondern auf Mensch - Mensch Ebene. Ich wurde sehr gut beraten. Wir haben abgewartet, wollten sehen, ob es noch besser wird. Wurde es nicht. Also musste ich eine Wurzelbehandlung machen.

Erst wurde eine Betäubung aufgetragen, damit ich die Spritze nicht spüre. Als wir 10 Minuten gewartet haben, bis die Spritze wirklich wirkt (das haben die "Kinder"-Zahnärzte bei mir nie gemacht, die haben immer sofort losgelegt und durch die Angst und den Schmerz habe ich das Medikament noch schneller abgebaut, somit hatte es keine Wirkung), hat mir die Zahnärztin sogar persönlich eine Zeitschrift vorbeigebracht (in der Nagellack-Praxis wurde ich teilweise 15 Minuten lang ohne irgendwas in einen Raum gesetzt und durfte an die Wand starren).

Während der Behandlung wurde ich alle paar Minuten gefragt, ob alles okay ist. Die Zahnärztin hat mir erklärt, was sie tut und welche Wirkung das hat (dass beispielsweise Geräusche entstehen, vor denen ich keine Angst zu haben brauche, etc.). Weil ich natürlich trotzdem aufgeregt war und die Wurzelbehandlung auch etwas länger dauert, hat mein Körper die Schmerzmittel schnell verstoffwechselt und ich habe auf einmal einen leichten Schmerz verspürt. Sobald ich nur gequiekt habe, hat die Zahnärztin (und ihre Helferin) alles rausgenommen und sofort aufgehört. Mit dieser Geste hat sie mein vollstes Vertrauen gewonnen. Das hat bis jetzt noch nicht ein einziger Arzt gemacht! 

Danach bekam ich eine neue Spritze, wir haben bisschen geredet als wir auf die Wirkung gewartet haben und erst dann ging es weiter. Dabei hat sie weiterhin alles erklärt und sich immer nach meinem Wohlbefinden erkundigt. Mittlerweile habe ich beim Essen/Trinken/Reden/Atmen (ja, selbst dabei hatte ich starke Schmerzen) gar keine Probleme mehr, ich spüre nichts und mir geht es blendend. Ich habe die richtige Zahnärztin gefunden, der ich voll und ganz vertraue und die ich nur weiterempfehlen kann (falls ihr verzweifelt eine Zahnärztin in München sucht: schreibt mir eine Mail an kosmeticca@live.de und ich gebe euch gerne ihre Kontaktdaten). 

Ich hatte unglaublich großes Glück und bin jetzt sehr zufrieden mit meiner Ärztin. Es hat lange gedauert, aber ich habe nun eine Person gefunden, der ich vertrauen kann und die mein Vertrauen auch verdient. Deshalb kann ich euch nur dazu ermutigen, euch auf die Suche zu machen. Ihr werdet früher oder später einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin finden, bei der ihr euch genauso wohlfühlt!

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, sich unter Narkose behandeln zu lassen. Aber ich bin eher der Meinung, dass man lieber die Ursache beseitigen sollte. Eine Narkose mag für manche wirklich hilfreich sein, auf Dauer ist das aber keine gesunde Variante und man sollte sich mit seiner Zahnarztphobie lieber auseinandersetzen um sie zu bekämpfen. :)


Habt ihr auch so "tolle" Dinge bei Zahnärzten erlebt? Erzählt mir eure eigenen Geschichten gerne in den Kommentaren!



Kommentare:

  1. Oh Gott, sowas ist furchtbar. Ich verstehe nicht, warum manche Ärzte immer so unsensibel sind, das gehört doch zum Job dazu. Ich bin mit meiner Ärztin sehr zufrieden, auch wenn ich trotzdem immer mit einem komischen Gefühl hingehe. Bei meiner Zahnärztin gab es mal so eine tolle Schwester, die hat einem immer gut zugeredet und einen die Wange getätschelt, das war auch sehr schön. :)

    Liebst Elisabeth-Amalie von Im Blick zurück entstehen die Dinge

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  2. Huhu,

    Angst vor dem Zahnarzt hatte ich nie, aber ich habe meinen Zahnarzt letztes Jahr auch gewechselt, nachdem er nur noch Mist gebaut hat... Er hatte meinen Kiefer in den letzten 10 Jahren bestimmt 5mal geröntgt, aber ihm ist dabei nie aufgefallen, dass im Unterkiefer meine Weisheitszähne total schief wachsen. 2013 war dann rund um den Weisheitszahn rechts unten alles entzündet und tat echt weh. Mein Zahnarzt meinte nur, ich könne ja in einer Woche mal vorbeikommen, falls es nicht besser wird. Ich habe drauf gepocht, sofort vorbeizukommen. Er hat dann einen entzündungshemmenden Medizinstreifen eingesetzt und alles nochmals geröngt. Da fiel ihm dann auf, dass man den Zahn vielleicht herausnehmen sollte. Das wollte er auch gerne selbst machen, sei ja nicht soooo wild. Ich hab ihm damals noch vertraut und ihn das ein paar Tage später machen lassen. Die OP an sich war okay, war ja zum Glück alles gut betäubt und der Zahn schon so entzündet, dass er sich leicht entfernen ließ. Aber hinterher wurde es noch deutlich schlimmer. Ich hatte eine Woche lang starke Schmerzen, konnte kaum schlucken. Als ich dann wieder da war, meinte er, das käme halt mal vor, ich solle einfach weiter abwarten. Es wurde dann zum Glück auch wirklich von alleine besser, aber ich hatte einfach nicht das Gefühl, dass er mich ernst nimmt.
    Als es dann Anfang des Jahres hieß, so langsam müssten auch alle anderen Weisheitszähne raus, weil ist halt so (auch auf Nachfrage wollte er mir nicht erklären, warum die unbedingt raus müssen), hab ich den Zahnarzt gewechselt und im Vorfeld auch auf FB rumgefragt, wer zu empfehlen sei. Habe dann einen Zahnarzt gefunden, der sofort meinte, den Zahn unten rechts sollte man wirklich entfernen, weil der schief wächst, bei den anderen wäre das nicht so wichtig, weil die schön gerade sind, aber ich müsse dann eh zum Kieferchirurg, weil er sich an so schiefe Weisheitszähne nicht so gerne traut. Da kann einfach viel schief gehen (was ich bei meinem ersten Zahnarzt ja gemerkt habe) und da hat ein normaler Zahnarzt einfach nicht die Routine.
    Mit dem Kieferchirurg, den er mir empfahl, war ich dann auch sehr zufrieden. Er hatte sich total viel Zeit genommen, mir das Für und Wider der oberen Weisheitszähne zu erklären, sodass ich selbst einschätzen konnte, ob ich sie behalten möchte oder nicht. Habe mich dagegen entschieden und er hat alle drei auf einmal entfernt. Das war zwar nicht sooo angenehm, aber er hat das echt gut gemacht und ich hatte hinterher fast gar keine Beschwerden. :)
    Gerade bei Ärzten ist es einfach wichtig, dass man denen vertrauen kann und sie sich Zeit nehmen. Ich finde nichts schlimmer, als schnell abgespeist zu werden oder keine verständliche Erklärung zu bekommen...

    LG Alica

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